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H. S. Eglund

Schriftsteller • Writer • Publizist

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© Nasa
  • Der aktuelle Podcast steht auf der Website von Tea, Toast & Trivia. © TTT
Donnerstag, 15. September 2022

Energie von der Sonne: Energie für das Leben

Tea, Toast & Trivia: Clanmother Rebecca Budd aus Vancouver sprach mit Eglund über die Sonne und ihre Energie. Nicht Kilowatt, Quadratmeter oder Euro standen im Vordergrund, sondern die Spenderin des Lebens, der zentrale Himmelskörper und Fixstern für Mythen, Märchen, Religionen. Jeder Mensch ist ein Kind der Sonne, trägt sie auf vielfältige Weise in sich. Und jeder kann mittun, diese Energie zu nutzen.

Ohne Sonne gäbe es keine Evolution, keine Zivilisation und keine Zukunft. In allen Religionen gilt die Sonne als Trägerin des Lichts, steht der neue Tag für Aufbruch, für Hoffnung und Neubeginn.

Am Anfang war das Licht, und es war das Licht der Sonne, das die Erde bewohnbar machte, sie bevölkerte: Zunächst mit einfachen biologischen Strukturen, später mit Bakterien und Einzellern, mit Pflanzen und Tieren, im Meer und auf dem Land.

Technik schreckt viele Menschen ab

Zu oft wird die Solarenergie auf den rein technischen Aspekt reduziert. Das schreckt viele Menschen ab. Dabei ist es sehr einfach, ihre Möglichkeiten und Chancen zu verstehen.

Die Sonne zu nutzen, ist in tief in unserer Biologie und Psyche verankert. Ihre Energie kennt jedes Kind. Millionen Menschen fahren jedes Jahr an die Strände der Meere, um Sonne zu tanken, um ein Sonnenbad zu nehmen.

Sonnentanz in der Prärie

Denn die Sonne zieht uns an, sie steht für Leben, Gesundheit und Wohlergehen. Nacht und Finsternis hingegen sind mit Ängsten verbunden, mit Furcht, Leiden und Tod. Fast alle Mythen in den Kulturräumen rund um den Globus sehen die Sonne – und ihr Spiegelbild, den Mond – als Träger der Hoffnung.

Naturvölker wie die First Nations in der nordamerikanischen Prärie kennen den Sonnentanz als Höhepunkt ihrer jährlichen Feste. Während des Sonnentanzes ruhen alle Streitigkeiten. Die Sonnenwende – im Sommer und im tiefen Winter – bestimmt weltweit die mythologischen und religiösen Kalender, Festtage und Riten.

Amun-Ra in seiner Himmelsbarke

Angefangen bei den alten Ägyptern, als der Sonnengott Amun Ra mit seiner Barke über den Himmel fuhr, lässt sich der Lauf der Sonne durch die Religionen verfolgen. Sie wurde im antiken Griechenland verehrt, ebenso in Rom.

Im Christentum spielt sie eine zentrale Rolle als Anfangsmythos. Asch-Schams ist eine Sure des frühen Koran, in dem die Sonne mit Erleuchtung und Inspiration gleichgesetzt wird.

Die Sonne auf der Flagge

In der Shinto-Religion Japans steht Amaterasu als höchste Göttin an der Spitze aller Gottheiten (Kami). Sie ist die Erhabene, die den Himmel erleuchtet und gilt als Stammmutter der japanischen Kaiser.

In Japan ist dieser Mythos so tief verankert, dass es die aufgehende Sonne bis auf die Nationalflagge schaffte. Man spricht vom Land der Aufgehenden Sonne, wenn man die Inselkette meint.

Der Jubel der Vögel und Paviane

Die Sonne hält nicht nur unser Planetensystem zusammen. Denn ihre enorme Gravitationskraft zwingt die umkreisenden Himmelskörper auf ihre Umlaufbahnen. Die Sonne war zugleich Geburtshelfer des irdischen Lebens, ist es jeden Tag aufs Neue.

Weil sie nach kalter, dunkler Nacht neue Wärme und Licht schickt, jubilieren die Vögel am Morgen, grüßen den Aufgang der Sonne. In Ostafrika strecken die Paviane ihre Arme zum Himmel, wenn die Sonne in der Früh ihre ersten Strahlen über die Vulkankegel im Osten schickt. Der Psychiater Carl Gustav Jung hat darin eine Urform des Gebets erkannt, die sich in allen Religionen findet.

Die Erde mit grünen Zellen belebt

Die Natur hat eigene Solarzellen entwickelt, um die Energie der Sonne für die Evolution und die Spirale des irdischen Lebens zu nutzen. Im Blattgrün der Pflanzen läuft die Photosynthese ab, die Umwandlung von Licht in chemische Energie, oder einfacher: in das Wachstum der Pflanzen und neue Pflanzen.

Die Photosynthese ist – im Vergleich zu technischen Solarzellen aus Silizium – ziemlich ineffektiv. Nur ein Prozent des Sonnenlichts wird letztlich genutzt.

Biomasse ist eine Form des Sonnenlichts

Doch für die Evolution ist dieser Wirkungsgrad offenbar optimal, denn knapp 1.900 Milliarden Tonnen Biomasse bevölkern unsere Erde. Davon machen die Pflanzen rund 99 Prozent aus, nur ein Prozent sind Tiere.

Etwa 100 Millionen Tonnen bringen alle Menschen zusammen auf die Waage. Soll heißen: Auch wir sind Biomasse in spezieller Form, energetische Inseln, die auf der Oberfläche der Erde wandeln, sich entwickeln und interagieren. Und manchmal zum Himmel fliegen, oder gar in den Weltraum.

An der Wiege der Wissenschaft

Am Ende des Mittelalters gab es einen großen Kampf um das heliozentrische Weltbild, das Kopernikus und Galilei gegen überkommene Dogmen setzten. Kopernikus war ein deutscher Priester und treuer Diener des Königs von Polen, noch heute kann man sein Laboratorium im Allensteiner Dom besuchen.

Galileo Galilei hat die Sonnenflecken entdeckt. Dafür und für andere wissenschaftliche Theorien wurde er von der katholischen Kirche als Ketzer verurteilt. Vor der Verbrennung rettete er sich durch Widerruf. Es dauerte bis 1922, das ihn ein Papst rehabilitierte.

Die magische Kraft der Bilder

Kaum ein Bild hat solch magische Kraft entfaltet, wie das Foto des Sonnenaufgangs, wenn ein Raumschiff den Erdschatten verlässt und ins grelle Licht rückt. Seit die ersten Bilder von der Nasa zur Erde gefunkt wurden, stehen der blaue Planet und die Sonne für Umweltschutz und die Energiewende, die ohne Kohle und Öl, ohne Gas und Uran auskommt. Bekannt ist der Sticker der lächelnden Sonne, mit dem Aufdruck: Atomkraft, nein danke!

Ein Fusionsreaktor in sicherer Entfernung

Dank der Erkenntnisse der Physiker und Astronomen wissen wir, dass die Sonne eine riesige, brennende Gaskugel ist, mit einem Fusionsreaktor in ihrer Mitte. Er zündet Moleküle von Wasserstoff und verschmilzt sie zu Helium. Dieser Prozess setzt eine Hitze von Millionen Grad Celsius frei, die wir in der sicheren Entfernung von 150 Millionen Kilometern empfangen, geschützt durch die Atmosphäre der Erde.

Saubere Energie ohne Rechnung

So schickt die Sonne tagtäglich ausreichend Energie – Licht, Wärme und Strahlung – um den Bedarf der Menschen tausendfach zu decken. Nichts hindert uns, ihre Kraft zu nutzen.

Denn die Sonne hat einen weiteren, unschlagbaren Vorteil, der nicht unerwähnt bleiben soll: Für ihre Energie schickt sie uns keine Rechnung.

Lust auf mehr? Dann hören Sie rein (in englischer Sprache):
Podcast: H.S. Eglund on the Sun and Solar Energy (23:42 Min.)

Website von Tea, Toast & Trivia

Mehr von Tea, Toast & Trivia auf Eglunds Blog:
Podcast: Emily Carr & James Bay Inn – A Reflection
Podcast: Zeitreise in den Dunkelwald – mit H.S. Eglund
Podcast: Kommunikation ist keine Kunst – oder doch? (mit Eglund)
Podcast: Hässlichkeit weitet Horizonte (mit Klausbernd Vollmar)
Podcast: Über Schönheit in Natur und Kunst (mit Klausbernd Vollmar)
Podcast: Die Robben von Blakeney Point (mit Hanne Siebers)

© ZEAG Energie AG
Samstag, 10. September 2022

Chaostage am Energiemarkt – das Erbe von CDU/CSU

Die Ampelkoalition tagt, beschließt, verwirft und beschließt erneut: Offenbar sind die Spekulationen in den Energiemärkten nur schwer in den Griff zu bekommen. Kein Wunder, denn ohne die Verhinderer aus der abgewählten Koalition aus Unionsparteien und Sozialdemokraten gäbe es diese Blase nicht. Jahrzehntelange Versäumnisse lassen sich nicht innerhalb weniger Monate reparieren – oder doch?

Streckbetrieb der AKW und Übergewinnsteuer für Erträge aus erneuerbaren Energien: Diese beiden Schlagworte markieren die Aufreger, die gegenwärtig durch Hirne und Medien spuken.

Immer wieder geraten Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (B90/Grüne) und Finanzminister Christian Lindner (Freie Demokraten) ins Visier, ernten Zuspruch und Widerspruch, obwohl eigentlich (noch) nichts wirklich klar ist.

Das Erbe der alten Groko

Zunächst einmal: Die Verwerfungen an den Energiemärkten sind das Erbe der alten Koalition aus Unionspartei und Sozis. Sie hat uns die nahezu totale Abhängigkeit von Putins Gasfeldern beschert.

Ebenso wurde die weltweite Atomindustrie von Rossatom abhängig, denn selbst an deutschen AKW und an der Versorgung mit nuklearen Brennstäben sind die Russen ordentlich beteiligt. Was für Gas gilt, gilt faktisch ebenso für Uran.

Erneuerbare Energien blockiert

Zudem hat die alte Koalition den Ausbau der erneuerbaren Energien blockiert, und zwar ohne Hemmungen. Hätten sich Philipp Rösler (FDP), Sigmar Gabriel (SPD) oder Peter Altmaier (CDU) mit ihren Novellen des EEG nicht in verantwortungsloser Weise quergestellt, hätten wir heute schon 80 Prozent Ökostrom in den deutschen Netzen, nicht nur 50 Prozent.

Das muss dargestellt werden, um zu verstehen, was eigentlich geschieht. Dass Putin den Krieg gegen die Ukraine entfesselt hat und der deutschen Industrie den Gashahn abdreht, hat das Problem kurzfristig verschärft. Angelegt war es bereits: Es musste kommen, wie es geschah.

Die Putinfreunde aus der Union

Es überrascht auch nicht, dass Putinfreunde wie Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU) die alte Politik fortsetzen wollen. Sie reden der Atomkraft das Wort, fordern verlängerte Laufzeiten. Was anderes ist das, als eine handfeste Unterstützung des militärisch-nuklearen Komplexes, der hinter Putin steht und seine Politik überhaupt erst ermöglicht?

Gefahren in Saporischschja

Angesichts der Gefahren eines Super-Gaus im AKW von Saporischschja alte Meiler am Netz halten zu wollen, ist – gelinde gesagt – eine Verantwortungslosigkeit, die im Strafrecht mit Vorsatz gleichzusetzen ist. Niemand kann sich mehr auf Fahrlässigkeit berufen, oder gar auf Unwissenheit – jetzt, da die Risiken und Gefahren offen sichtbar sind.

CDU/CSU mauern bei der Windkraft

Und weiterhin sträuben sich CDU/CSU beispielsweise gegen den Ausbau der Windkraft: in Bayern, in Sachsen, in Thüringen. Statt dessen wird mit den Existenzängsten der (kleinen) Leute Stimmung gemacht, werden Unternehmer vorgeschickt, die sich weigern, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Wenn energieintensive Firmen jetzt nach dem Staat und seiner Hilfe rufen, beweisen sie nur, dass sie wichtige Jahre verschlafen haben. Dass solarer Eigenstrom oder sauberer Netzstrom aus Windkraft oder Solarfeldern die Energiekosten der Unternehmen entlastet, ist ja keine neue Erkenntnis. (gekürzt)

Den vollständigen Artikel lesen Sie auf der Website von Energiezukunft.eu

Lesen Sie auch:
Kalter Krieg ums Gas
2022 – Entfesselt den Sonnenbürger!
150 Praxistipps für Autarkie – kostenfreier Ratgeber für 2022 erschienen!

Video: Eglund am Solarfeld in Groß-Dölln
Video: Eglund am Solarfeld in Groß-Dölln (2)
Video: Mit Eglund am Kohlekraftwerk in Schwarze Pumpe
Video: Eglund am Tagebau Welzow-Süd in der Lausitz

© Dmitrij Belanowskij
Donnerstag, 1. September 2022

Franz Alt: Friedensstifter Michail Gorbatschow ist tot

Am 2. März wurde der russische Friedensfreund Michail Gorbatschow 91 Jahre alt. Es war der siebte Tag des Putin-Krieges in der Ukraine.

Gorbatschow ist Sohn eines russischen Vaters und einer ukrainischen Mutter. Auch seine Frau Raissa war Ukrainerin. Er nannte sie oft liebevoll „meine Ukrainerin“.

Solche Familienbande zwischen Russen und Ukrainern sind zahlreich in beiden Nachbarländern. Auch das macht den aktuellen Krieg unbegreiflich und absolut sinnlos wie jeden Krieg.

Kommt endlich zur Vernunft!

2017 schrieb ich zusammen mit Michail Gorbatschow das Buch „Nie wieder Krieg – Kommt endlich zur Vernunft“. Damals haben wir beide uns nicht vorstellen können, wie dramatisch aktuell dieser Buchtitel fünf Jahre später sein wird. Nie wieder Krieg?

Gorbatschow sagte damals: „Wir sind eine Menschheit auf einer Erde unter einer Sonne.“ Wirklicher Frieden könne „nur erreicht werden unter der Bedingung einer demilitarisierten Politik und demilitarisierter internationaler Beziehungen.

Politiker, die meinen, Probleme und Streitigkeiten könnten durch Anwendung militärischer Gewalt gelöst werden – sei es auch als letztes Mittel – sollten von der Gesellschaft abgelehnt werden, sie sollten die politische Bühne räumen“. Kein Wunder, dass Gorbatschow und Putin nie Freunde werden konnten.

Atomwaffen abschaffen, Armut bekämpfen, Klima retten

Erst vor wenigen Monaten schickte mir Michail Gorbatschow einen Artikel für die Zeitung „Russia Global Affairs“, in dem er schreibt: „Keine Herausforderung oder Bedrohung, der die Menschheit im 21. Jahrhundert gegenübersteht, kann militärisch gelöst werden. Kein großes Problem kann von einem Land oder einer Gruppe von Ländern im Alleingang gelöst werden.“

Als die dringendsten Probleme unserer Zeit nennt er in diesem Artikel, einer Art Vermächtnis: die Abschaffung der Atomwaffen und die Überwindung der Massenarmut in den Entwicklungsländern sowie die Rettung des Weltklimas.

Als ich Gorbatschow 2018 in Moskau einen Friedenspreis überreichen und die Laudatio auf ihn halten durfte, nannte er als die drei Hauptaufgaben unserer Zeit: „Abrüsten, abrüsten, abrüsten“. Er meinte Russland und die Nato. „Nur dann wird Frieden möglich.“

80 Prozent aller Atomwaffen verschrottet

Auf meine Frage nach der Gefahr eines Atomkriegs sagte er: „Ein Atomkrieg wäre der letzte Krieg der Menschheit, weil es danach keine Menschen mehr gäbe, die noch einen Krieg führen könnten.“ Diese Mahnung ist sein eigentliches Vermächtnis. Durch seine Abrüstungsbemühungen wurden in den 1990er Jahren 80 Prozent aller Atomwaffen weltweit verschrottet.

Als siebter und letzter sowjetischer Staatschef war Michail Gorbatschow von 1985 bis 1991 auch Generalsekretär der Kommunistischen Partei. Heute ist niemand mehr prädestiniert, für eine atomwaffenfreie und friedliche Welt zu werben als der Friedensnobelpreisträger aus Moskau.

Ich habe ihn während eines Fernsehinterviews mal gefragt, woher er die Kraft für seine visionäre Politik nehme. Er deutete auf seine Frau Raissa, die hinter der Kamera stand, und sagte: „Hier steht meine Kraft.“

Sie lachte und winkte zurück. Die Gorbatschows waren für mich das größte politische Liebespaar unserer Zeit. Diesem Paar verdanken wir das Ende des Kalten Krieges, die friedliche deutsche Einheit und vielleicht sogar unser Überleben.

Größter Abrüster aller Zeiten

Gorbatschow war der größte Abrüster aller Zeiten. Daraus ergibt sich für heute: Putinland ist nicht Russland! Gerade wir Deutsche sollten das nicht vergessen.

Der völkerrechtswidrige Krieg gegen die Ukraine ist kein Krieg des russischen Volkes. Gorbatschow in unserem Buch: „Gewaltfreiheit in den internationalen Beziehungen und friedliche Konfliktlösung müssen im Regelwerk des Völkerrechts zu Kernpunkten werden.“

Ich wage mir kaum vorzustellen, wie es Michail Gorbatschow in den letzten Monaten im Krankenhaus in Moskau ging. Er war der Überzeugung: Sieger ist nicht, wer Schlachten in einem Krieg gewinnt, sondern wer Frieden stiftet.

Bestellbar bei Amazon:
Franz Alt (Herausgeber), Michail Gorbatschow (Autor):
Kommt endlich zur Vernunft – Nie wieder Krieg!:
Ein Appell von Michail Gorbatschow an die Welt

Mehr Informationen finden Sie auf der
Sonnenseite von Franz Alt.

Zur Wende 1989 lesen Sie den Roman
Die Glöckner von Utopia von Eglund.

Lesen Sie auch:
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© H.S. Eglund
  • Die Figurengruppe wird erleuchtet, sobald der Besucher näher tritt. © H.S. Eglund
  • Katana (Schwert) und Lanze für berittene Samurai. © H.S. Eglund
  • Fußkrieger mit Schwert (Katana). © H.S. Eglund
  • Komplette Rüstung mit kunstvollen Masken für die Pferde. © H.S. Eglund
  • Die Vielzahl und Vielfalt der ausgestellten Helme sind beachtlich. © H.S. Eglund
  • Volle Montur eines Samurai aus der Edo-Zeit. © H.S. Eglund
  • Rüstung und martialische Maske zugleich. © H.S. Eglund
  • Gruppe von Rüstungen, deren Kunstfertigkeit beeindruckt. © H.S. Eglund
  • Diese Rüstung vermittelt einen besonders martialischen Eindruck. © H.S. Eglund
  • Die Rüstung war nicht nur Schutz, sondern zugleich Statussymbol für seinen Träger. © H.S. Eglund
  • Gegossener Helm eines Samurai. © H.S. Eglund
  • Sogar Fächer wurden zur Verteidigung eingesetzt. © H.S. Eglund
  • Zum Trinkgefäß umgearbeitete Muschel. © H.S. Eglund
  • Die Tsuba markiert den Griffschutz am Übergang vom Heft zur Klinge des Schwertes. Sie bildet eine eigene Gattung von Kunstgegenständen. © H.S. Eglund
  • Geschmiedete Tsubas für Schwerter, aus einer Phase, die stark von China beeinflusst war. © H.S. Eglund
  • Didaktisch spannend wird erklärt, welch hohe Kunst sich hinter dem Schmieden und Schleifen der Schwerter verbirgt. © H.S. Eglund
  • Erstaunlich, wie lebensecht diese No-Maske wirkt. © H.S. Eglund
  • Ausdrucksvolle Maske eines No-Schauspielers. © H.S. Eglund
  • Modell eines Teehauses. © H.S. Eglund
  • Solche Malereien stellen mitunter wichtige Szenen der japanischen Geschichte dar. © H.S. Eglund
  • Zeitgenössische Illustrationen rund um den Mythos des Ronin Miyamoto Musashi. © H.S. Eglund
  • Blick in den großen Ausstellungsraum von der Empore. © H.S. Eglund
Dienstag, 12. Juli 2022

Konichiwa – Samurai mitten in Berlin

Verstörend fremd, spannend und lehrreich: Die Samurai-Sammlung von Peter Janssen vereint exotisches Handwerk, tiefe Einblicke in die Kriegerkaste Japans und in die Philosophie des Budo. Ein magischer Fluchtpunkt im heißen Sommer, ohne die Stadt verlassen zu müssen.

Peter Janssen hat sein Geld mit Baufirmen gemacht. Nebenbei hat der heute 71-Jährige einen schwarzen Gürtel in Karate erworben und dreißig Jahre lang historische Artefakte über die Samurai und das mittelalterliche Japan gesammelt.

Wer Karate, Judo oder Aikido betreibt, weiß: Das wirst du nie mehr los, dieses Interesse an der schillernden Kultur des Reichs der aufgehenden Sonne.

Janssen hat die Zeugnisse der Samurai systematisch gesammelt, mit großer Sachkunde, und sicher auch mit dem nötigen Kleingeld. Seine Sammlung hat einen herausragenden Ruf, und das Museum präsentiert sie auf sehr spannende, unterhaltsame und zugleich lehrreiche Weise.

Neuer Nachbar für Clärchens Ballhaus

Nun hat die einzigartige Kollektion ein eigenes Museum bekommen, in der Auguststraße in Mitte, schräg gegenüber von Clärchens Ballhaus. Seit dem Frühjahr dieses Jahres werden dort rund tausend Exponate präsentiert, darunter vierzig vollständige Rüstungen, 200 Helme, 150 Masken, 160 Schwerter und unzählige, teilweise erstaunliche Stücke über die gefürchtete Kriegerkaste.

Die Elite des Kaiserreichs

Seit dem frühen Mittelalter bis zur Meiji-Restauration im Jahr 1868 stellten die Samurai die Elite des Kaiserreichs, das bis dahin weitgehend isoliert blieb. Die Samurai traten zunächst als Diener ihrer Herren in die Geschichte ein, in deren Verlauf sie zu Kriegern aufstiegen, die Adel und Thron stützten.

Nur den Samurai war es erlaubt, Schwerter zu tragen. In Japan werden sie als Bushi bezeichnet. Herrenlose Samurai nennt man Ronin.

Wichtigste Privilegien verloren

Erst in der Mitte des 19. Jahrhundert begannen die zögerliche Öffnung und der steile Aufstieg Japans zur ersten Industriemacht Asiens. Die Modernisierung wurde nur gegen den Widerstand der Samurai möglich, die ihre wichtigsten Privilegien verloren. Deshalb verschwanden sie aus der japanischen Gesellschaft, wie Ritter und Raubritter aus Europa verschwanden.

Sehr alte Artefakte

Die ältesten Artefakte in Janssens Sammlung gehen auf die Kofun-Zeit zurück, ins früheste Mittelalter, etwa zwischen den Jahren 300 und 538 nach Christus datiert. Das Gros der Sammlung vereint Objekte aus dem späteren Mittelalter und der frühen Neuzeit zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert.

Drei Rüstungen aus der Edo-Zeit

Als besonders Kleinodien bezeichnet das Museum drei Rüstungen aus der Edo-Zeit (1603 bis 1868), als in Japan die Shogune regierten. Nach der Schlacht von Sekigahara übernahmen die Fürsten des Tokugawa-Clans die Macht, die sie bis zur Regentschaft des Kaisers Meiji nicht mehr aus der Hand gaben.

Bekannt ist diese historische Zeit durch den Roman Shogun von James Clavell, durch das Buch Gorin no sho (Buch der Fünf Ringe) des Ronin Miyamoto Musashi und die Filme des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa. Bezug auf diesen Abschnitt der japanischen Geschichte nimmt der Film Ghost Dog – Der Weg des Samurai von Jim Jarmusch, in dem der Samurai-Kodex Hagakure eine wesentliche Rolle spielt.

Gute Einblicke geben zahllose Kinostreifen, wobei die Filme über den blinden Samurai Zatoichi von und mit Shintaro Katsu oder Takeshi Kitano besonders sehenswert sind. Ein cineastisches Bonbon ist zweifellos Die blinde, schwertschwingende Frau von Regisseur Sadatsugu Matsuda. Szenen aus einigen Filmen werden im Museum gezeigt.

Besonderes Augenmerk liegt auf Klingen

Besonderes Augenmerk der Sammlung liegt auf der mittelalterlichen Schmiedekunst, auf den Klingen von Meistern aus dem elften bis 14. Jahrhundert. Daneben werden Skulpturen, Malereien, ein echtes No-Theater und ein Teehaus vorgestellt, mit Utensilien der Teezeremonie.

Sehr eindrucksvoll ist der Anblick der Masken, wie sie von den Schauspielern in No-Stücken verwendet werden. Neben der Dauerausstellung über die Samurai sind wechselnde Präsentationen zu verschiedenen Themen der japanischen Kultur geplant.

Spannende Kulturgeschichte

Der Besuch war eine echte Entdeckung. Man muss kein Liebhaber der japanischen Kultur sein, um sich auf diese modern gestaltete Ausstellung einzulassen.

Ein bisschen Zeit, ein bisschen Fantasie – und der Besucher reist Jahrhunderte zurück, um den halben Erdball nach Osten, taucht in eine reizvolle, exotische Welt. So spannend kann Kulturgeschichte sein. Arigato, gosaimas!

Website des Samurai Museum Berlin

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© Kiepenheuer & Witsch
  • Keine Zeile veraltet: Das Interview mit René Wintzen, das 1978 veröffentlicht wurde. © Kiepenheuer & Witsch
Sonntag, 26. Juni 2022

Heinrich Böll: Wir kommen von weither

Vor 50 Jahren bekam der gebürtige Rheinländer den Nobelpreis für Literatur. Anlass für eine Erinnerung – an ihn und an seine deutschen Erinnerungen.

Zwischen Kriegsende 1945 und dem Ende des Kalten Krieges 1989 wurden drei deutsche Schriftsteller mit den Nobelpreis geehrt: Hermann Hesse (1946), Nelly Sachs (1966) und Heinrich Böll. Hesse lebte seit 1919 in der Schweiz, wo er 1962 verstarb. Nach dem Gemetzel des Ersten Weltkriegs hatte er die eidgenössische Staatsbürgerschaft angenommen.

Die gebürtige Berlinerin Nelly Sachs war 1940 mit ihrer Mutter nach Schweden geflohen, wo sie mit Unterstützung von Selma Lagerlöf Asyl bekamen. Nach dem Krieg kehrte sie nur zu Reisen nach Deutschland zurück, permanente Rückkehr war für sie ausgeschlossen.

Bei Kriegsende keine dreißig Lenze

Einzig Heinrich Böll lebte in Deutschland, als ihn die Entscheidung des Nobelkomitees erreichte. Mehr noch: Er galt als Sprachrohr einer Generation, die bei Kriegsende noch keine dreißig Lenze zählte. Böll war an allen wichtigen Fronten gewesen, als Soldat in Frankreich, später in Russland.

Kritisch begleitete er die Restauration kirchlich-chauvinistischer Kreise in Westdeutschland, die sich im Filz der CDU und des katholischen oder evangelischen Klerus manifestierte. So wurde er zur Zielscheibe unter anderem der Springerpresse in Berlin.

Tod im Tauwetter

Seine Romane, Kurzgeschichten und Essays erlebten weltweit Millionenauflagen. Böll war einer der wichtigsten Fürsprecher echter Demokratisierung in Deutschland, unterstützte Willy Brandt und die Sozialdemokraten und suchte das Gespräch mit sogenannten Linksterroristen.

Auch setzte er sich für Dissidenten aus dem Osten ein: Wolf Biermann, Andrej Sacharow, Alexander Solschenitzyn oder Lew Kopelew. Als er 1985 starb, begann in Moskau gerade ein politisches Tauwetter, das zum Ende des Kalten Krieges führte.

Anlässlich des 50. Jahrestages seines Nobelpreises mag an dieser Stelle das wunderbare Gedicht genügen, das er am 8. Mai 1985 für seine siebenjährige Enkelin Samay schrieb:

Wir kommen weit her, liebes Kind,
und müssen weit gehen

Wir kommen weit her,
liebes Kind,
und müssen weit gehen.
Keine Angst,
alle sind bei Dir,
die vor Dir waren.
Deine Mutter,
Dein Vater
und alle, die vor ihnen waren,
weit weit zurück.
Alle sind bei Dir,
keine Angst.
Wir kommen weit her
und müssen weit gehen,
liebes Kind.

Eine weitere Empfehlung – neben seinen unvergleichlichen Romanen – ist das Interview Eine deutsche Erinnerung, das er 1975 mit dem französischen Intellektuellen René Wintzen führte, und das Wintzen drei Jahre später in Buchform publizierte, in Deutschland erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.

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© H.S. Eglund
  • Dieser Pfeiler auf der polnischen Seite überstand die Sprengungen. © H.S. Eglund
  • Der Fluss wird heute von üppigen Uferwiesen begrenzt. © H.S. Eglund
  • Wehr der Neiße bei Forst, mit Blick nach Norden. © H.S. Eglund
  • Die Wehrbrücke verbindet Polen mit Deutschland, ist aber nicht öffentlich nutzbar. © H.S. Eglund
  • Die Neiße bietet in der trockenen Lausitz ein wasserreiches Feuchtbiotop. © H.S. Eglund
  • Die grünen Auen setzen sich auf der polnischen Seite in einem ausgedehnten Schutzgebiet fort. © H.S. Eglund
  • Symbolischer Grenzpfahl, mit Blick nach Polen. © H.S. Eglund
  • Entlang der Neiße führen Wanderwege für Radfahrer, auf denen sich die Umgebung sehr gut entdecken lässt. © H.S. Eglund
  • Die schattigen Flussufer beheimaten unzählige Vogelarten und Kleintiere. © H.S. Eglund
Donnerstag, 16. Juni 2022

Grenzfluss Neiße – Endlich herrscht Ruhe!

Die Ostgrenze von Sachsen und Südbrandenburg ist durch diesen Fluss markiert. Der historische Zankapfel grünt und blüht und beweist, dass auch Geschichte in ruhigere Fahrwasser münden kann. Ein Besuch vor Ort.

Idyllisch, die sanft abfallenden Terrassen, von kniehohem Gras überwuchert. Hier, im Grenzgebiet zwischen dem deutschen Forst und der polnischen Seite, stehen die Überreste einer einstmals mondänen Brücke, die den Fluss und seine Uferzone weit überspannte.

Lange Brücke ist auf den verwitterten Quadern aus Sandstein zu lesen. Die großzügigen Treppen, die Pfeiler der Straßenlaternen und die Brückenbögen lassen erahnen, dass hier einstmals reger Verkehr lief.

Wehrmacht sprengte die Übergänge

Die Lange Brücke gibt es nicht mehr, auch wenn die Debatten um den Wiederaufbau seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht verstummen. Im Frühjahr 1945 hatte die Wehrmacht das Bauwerk gesprengt, um der Roten Armee den Weg zu verlegen.

Fast 90 Prozent aller Neißebrücken erlitten dieses Schicksal. Obwohl das jenseitige Ufer seinerzeit noch zum Deutschen Reich gehörte.

Einfallstor nach Schlesien

Die Lange Brücke war das Einfallstor nach Schlesien, führte aus der reichen Tuchmacherstadt Forst in Richtung Breslau, heute Wrocław. Über Jahrhunderte war die Gebiete östlich von Neiße und Oder umstritten.

Ursprünglich von slawischen Stämmen besiedelt, rückten germanische Völker vor, brachten das Christentum gen Osten. Der Deutsche Orden erhielt preußische Lehen, um Gebiete im Osten und Norden des heutigen Polen zu erobern und zu verwalten.

Kriege Preußens gegen Sachsen und Österreich

Weiter südlich hatten sich die Sachsen bis nach Schlesien ausgedehnt, das reich an Erzen und Kohle ist. Kattowitz und Breslau waren deutsche Siedlungen, als es Deutschland als nationales Gebilde noch nicht gab.

Der Reichsgründung von 1871 gingen Kriege der Preußen gegen Sachsen und Österreich voraus, vor allem um Schlesien. Polen war zerfleddert und aufgeteilt, zwischen Preußen, Russland und Österreich.

Stalin verschob Völker

Am Ende des Zweiten Weltkrieg rückten Stalins Armeen nach Osten vor. Es folgten weiträumige Vertreibungen der Bevölkerung: Aus der Westukraine wurden vor allen polnischstämmige Familien nach Osten abgeschoben und in den ehemaligen deutschen Gebieten angesiedelt, die ab 1945 zu Polen gehörten.

Von dort wurde die deutschsprachige Bevölkerung weitgehend in die beiden deutschen Staaten ausgesiedelt. Seitdem herrscht Ruhe, zumindest an der deutsch-polnischen Grenze.

Willy Brandts politisches Signal

1945 war die deutsche Herrenrasse geschlagen und ausgeblutet. Oder und Neiße wurden als Friedensgrenze deklariert, für alle Zeit. Willy Brandt fiel 1970 in Warschau auf die Knie, um die polnischen Opfer der Naziherrschaft zu Ehren.

Sein wichtigstes politisches Signal war jedoch die Anerkennung der deutschen Grenze im Osten. Die keifenden Revanchisten in Westdeutschland mussten ihre Hoffnungen endgültig aufgeben, die alten Güter und Schächte in den ehemaligen Ostgebieten wiederzuerlangen – auf welchem Wege auch immer.

Geschichte lässt sich befrieden

So ist die Neiße ein Beispiel, dass sich Geschichte befrieden lässt. Still ist es geworden, still und saftig grün. Auf beiden Ufern des Flusses hat sich die Natur erholt und üppig ausgebreitet.

Endlich Ruhe! Endlich sind die alten Konflikte, die bis in die frühen Tage der europäischen Geschichte zurückreichen, ausgestanden!

Ein Schutzgebiet für Wälder und Niederungen

Auf der polnischen Seite der Neiße bei Forst erstreckt sind ein Schutzgebiet, das von dichten Wäldern, Sträuchern und feuchten Niederungen dominiert wird. Insgesamt ist die Lausitzer Neiße 254 Kilometer lang. Ab Görlitz unten in Sachsen bildet sie die Grenze, bevor sie vor Eisenhüttenstadt in die Oder mündet.

Von Tschechien zur Oder

Der Fluss entspringt mehreren Quellen im tschechischen Isergebirge. In Tschechien fließt die Neiße durch Jablonec nad Nisou (Gablonz) und Liberec (Reichenberg), erreicht bei Hartau die deutsche Grenze.

Auf seinem Weg nach Norden passiert der Fluss in Sachsen: Görlitz/Zgorzelec, Rothenburg, Sobolice (Zoblitz) und Bad Muskau. Es folgen in Brandenburg die beiden Städte Forst und Guben (Gubin), bevor die Neiße etwa 15 Kilometer vor Eisenhüttenstadt bei Ratzdorf (Kosarzyn) in die Oder eingeht.

Stiller, nachdenklicher Fluss

Ruinen alter Brücken säumen den Fluss beinahe entlang des gesamten Verlaufs. Denn nach dem Krieg fand kaum Wiederaufbau statt.

Trotz des Beitritts Polens zur EU und zum Schengenraum sind noch viele Brücken gesperrt, weil ihre Sanierung sehr teuer ist. So haben Geschichte und Natur Zeit, zu atmen – ohne Krieg, Streit und Autoverkehr.

Motorboote sind nicht erlaubt

Bei Wassersportlern erfreut sich der Fluss wachsender Beliebtheit Es gibt keine Einschränkungen, zudem gibt es Flussabschnitte mit starken Wildwassern. Und damit die Ruhe nicht gestört wird, sind Motorboote auf der gesamten Flusslänge verboten.

Die Neiße heute: Ein wunderbarer Weg, um über Geschichte und europäische Nachbarschaft nachzudenken, um ungestört zu wandern und die grünen Auen zu genießen.

Aktuelle Videos zur Lausitz:
Video: Eglund am Tagebau Welzow-Süd in der Lausitz
Video: Mit Eglund am Kohlekraftwerk in Schwarze Pumpe
Zur Buchmesse: Eglund liest aus seinem Roman Zen Solar

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© TTT
Sonntag, 12. Juni 2022

Emily Carr: Dasein im Schoß der Wildnis

Tea, Toast & Trivia: Clanmother Rebecca Budd war in Victoria unterwegs, an der Südspitze von Vancouver Island. Im Beacon Hill Park wandelte sie auf den Spuren der kanadischen Malerin und Schriftstellerin Emily Carr. Lange bevor kulturelle Vielfalt und Ökologie en vogue wurden, ließ sich Carr von indianischer Kunst und dem Respekt vor der Natur inspirieren. Eine echte Entdeckung – typisch Kanada.

Rebecca Budd aus Vancouver hat eine neue Entdeckung präsentiert. Dieses Mal nicht als Podcast, sondern als wunderschön gemachtes Video. Sie besuchte den Beacon Hill Park in Victoria, der das südliche Ende von Vancouver Island markiert.

Dort weilte sie im James Bay Inn von Emily Carr, die in Beacon Hill ein kleines Gasthaus betrieb. In Deutschland ist Carr weitgehend unbekannt, in Kanada hingegen gehört sie zum Allgemeingut.

Ein Sprung zur anderen Seite der Erde

Das Video setzt das historische Gebäude, den wundervollen Park und eindrucksvolle Passagen aus Emilly Carrs Autobiografie stimmungsvoll ins Szene, unterlegt mit traumhafter Musik. So gelingt ein aufregender Sprung über den Großen Teich, zur anderen Seite der riesigen amerikanischen Landmasse, an die Küste des Pazifik.

Und eine literarische Entdeckung für jeden, der sich gern auf die Socken macht. Emily Carr wurde 1871 in Victoria geboren, der Hauptstadt der westlichsten Provinz Kanadas, von British Columbia. Sie starb im März 1945, gleichfalls in Victoria.

So umreißt ihre Lebenszeit die Spanne von der Gründung des Deutschen Reiches in Versailles bis zum Untergang Hitlers – vor völlig anderem historischen und kulturellen Hintergrund.

Galerie in der Scheune ihres Elternhauses

1890 begann sie, in San Francisco Kunst zu studieren. Drei Jahre danach kam sie nach Victoria zurück, baute in der Scheune ihres Elternhauses eine kleine Galerie auf und unterrichtete Kinder.

1899 zog sie nach London, um an der Westminster School of Art ihr Talent zu schulen. Auch in Cornwall, in Bushey und in Hertfordshire widmete sie sich der Malerei. Im Jahr 1905 kehrte sie nach Westkanada zurück, um bei Indianern Alaskas und der kanadischen Pazifikküste zu leben.

Vom Impressionismus beeinflusst

Fortan dokumentierte sie deren Leben in ihren Bildern. Sie zeichnet die Totempfähle der Indianer an der Nordwestküste, beispielsweise der Haida, der Kwakiutl, der Nootka und der Stämme der sogenannten First Nations.

1910 reiste sie nach Paris, um sich mit neuen Strömungen der europäischen Malerei vertraut zu machen. Dazu gehörten die Techniken und Gemälde von Henri Matisse und Pablo Picasso. Beeinflusst von den Impressionisten, änderte sie ihren Stil, malte in Kanada jedoch weiterhin indianische Motive.

Einsatz für die Indianer der Nordwestküste

Ihre Arbeiten erregten zunehmend Aufmerksamkeit, sie wurde zu Ausstellungen eingeladen. Außerdem setzte sich Emily Carr dafür ein, die Ureinwohner Kanadas als vollwertige Bürger und Teil der kulturellen Identität des Landes anzuerkennen.

Damals waren die Indianer nicht einmal wahlberechtigt, viele ihrer Rituale offiziell verboten. Indianische Kinder wurden in kirchlich geführten Heimen gedemütigt und missbraucht.

Tiefes Verständnis für die Natur

Emily Carr wurde als Künstlerin immer bekannter, blieb allerdings in ihrer Heimat Victoria bis zu ihrem Lebensende unverstanden – vor allem, was ihr Engagement für die indianische Bevölkerung betraf. Als Gastgeberin führte sie das James Bay Inn und zog sich aus dem öffentlichen Leben weitgehend zurück.

Ihre Malerei und ihre Schriften sind von tiefem Verständnis für die Natur und naturnahe Lebensweise durchdrungen. Ihr Grabstein trägt die Aufschrift: Artist and Author – Lover of Nature.

Zur Schullektüre erkoren

Heute gilt Emily Carr als herausragende Künstlerin Kanadas. Ihr Erzählband Klee Wyck über ihre Erfahrungen mit den Indianern wurde zur Schullektüre erkoren. Die frühere Vancouver School of Art firmiert heute als Emily Carr University of Art and Design.

Lust auf mehr? Dann hören Sie rein (in englischer Sprache):
Emily Carr & James Bay Inn – A Reflection (9:30 Min.)

Website von Tea, Toast & Trivia

Mehr von Tea, Toast & Trivia auf Eglunds Blog:
Podcast: Zeitreise in den Dunkelwald – mit H.S. Eglund
Podcast: Kommunikation ist keine Kunst – oder doch? (mit Eglund)
Podcast: Hässlichkeit weitet Horizonte (mit Klausbernd Vollmar)
Podcast: Über Schönheit in Natur und Kunst (mit Klausbernd Vollmar)
Podcast: Die Robben von Blakeney Point (mit Hanne Siebers)

© H.S. Eglund
Montag, 6. Juni 2022

Video: Addis Abeba – Neue Blume zwischen Aposteln und Mercato

Seltsam, diese ehrwürdige und quirrlige Stadt zu Füßen der Entotoberge: Addis Abeba, erst Ende des 19. Jahrhunderts als „Neue Blume“ durch Kaiser Menelik II. gegründet. Binnen kurzer Zeit stieg sie zu einer der wichtigsten Metropolen Afrikas auf.

Hier treffen aufeinander: die gewaltige Marienkathedrale der Orthodoxie, gelb gewandete Priester, Aposteln gleich aus dem Alten Testament, und Mercato, das Handelsviertel, eine undurchdringliche Kasbah für Waren und Geld.

In Mercato, so das Gerücht, kann man alles kaufen: Bananen, Mangos, Tee, Kaffee, Küchengeräte, Kleider und Stoffe aus allen Weltwinkeln, Autos, Häuser, Kalaschnikows und Helikopter, sogar Beamte und Regierungen.

Hier sehen Sie das Video. (Dauer: 0:53 Min.)
Zum Roman: Nomaden von Laetoli
Bestellungen beim ViCON-Verlag

Weitere Videos:
Video: Karges Hochland am Rand der Kalahari (0:49 Min.)
Video: Zum Kap der Guten Hoffnung (0:59 Min.)
Video: Das Erbe der Diamanten (0:58 Min.)
Video: Sossusvlei – Dünen aus rotem Sand (0:59 Min.)
Video: Das Meer in der Wüste (0:58 Min.)
Video: Sonnenaufgang überm Ngorongoro (1:00 Min.)
Video: Marabus – Buchhalter der Wildnis (0:56 Min.)
Video: Brandberg – Im Louvre der Felsmalerei (0:58 Min.)
Video: Gondar – Stadt der Könige (0:59 Min.)
Video: Im Osten der Indische Ozean (1:00 Min.)
Video: Die kurze Blüte der Serengeti (1:00 Min.)
Video: Die Löwen von Seronera (0:58 Min.)

Leseprobe im Video: Das frühe Ende einer Safari (4:57 Min.)
Leseprobe im Video: Die Attacke aus dem Norden (9:46 Min.)
Leseprobe im Video: Am Strand von Jambiani (6:12 Min.)

© H.S. Eglund
  • Der Autor vorm Eingang des Ars Electronica Centers in Linz. © M.O. Kohum
  • Das Gebäude ist luftig angelegt und bietet viel Freiraum für Entdeckungen. © H.S. Eglund
  • Augen auf und hinab in die Räume im Souterrain. Dort lauern spannende Entdeckungen. © H.S. Eglund
  • Langeweile kommt im Ars Electronica Center nirgends auf. © H.S. Eglund
  • Blick in den Saal, der sich mit schwindenden Ressourcen befasst. © H.S. Eglund
  • Sich einlassen: Die Besucher bleiben in Bewegung, haben Auslauf - physisch und mental. © H.S. Eglund
  • Selber Hand anlegen, selber erfahren: Dieses Konzept geht in Linz voll auf. © H.S. Eglund
  • Durch künstliche Intelligenz erzeugte Formenvielfalt. Sie führt zurück auf den Reichtum der Natur. © H.S. Eglund
  • Bizarre Klanginstallation, die der Besucher durchläuft. © H.S. Eglund
  • Hier werden Auge und Ohr in Anspruch genommen. © H.S. Eglund
  • Im Bio Lab können die Besucher eigene Experimente durchführen, unterstützt durch Infotrainerinnen und Infotrainer. © H.S. Eglund
  • Archaische Form eines Fossils, mit mathematischen Algorithmen erzeugt. © H.S. Eglund
  • Mit künstlicher Intelligenz erzeugtes Gewebe - federleicht und schwebend. © H.S. Eglund
  • Interessante Exponate wechseln sich mit Experimenten ab, bei denen die Besucher selbst aktiv werden. © H.S. Eglund
  • Eine solche Struktur lässt sich mit 3D-Druck erzeugen, mit konventionellen Verfahren nicht. © H.S. Eglund
  • Leicht angerostet: Vorläufer der Vinylplatte. © H.S. Eglund
  • Schau- und Lauschtafeln im Salon für Technik in der Musik. © H.S. Eglund
  • Kanäle oder Synapsen, frei verschaltbar. © H.S. Eglund
  • Klangwerk mit mechanischem Tonträger. © H.S. Eglund
  • Exponat aus der Ausstellung zu den Grenzen der Ressourcen. © H.S. Eglund
  • Der Abbau von Ölsanden in Kanada frisst gigantische Flächen. © H.S. Eglund
  • Essbare Erden als alternative Nahrungsmittel. © H.S. Eglund
  • Puppen und Roboter, steuerbar durch die Besucher. © H.S. Eglund
Samstag, 30. April 2022

Ars Electronica Center – das Ende aller Horizonte

Noch ein Museum? Wissenschaft zum Anfassen? Mitnichten. In Linz gehen Kunst und Forschung eine kreative Symbiose ein – und eröffnen völlig neue Wege, grenzenlos.

Linz ist die Hauptstadt von Oberösterreich, und als solche sehr ehrwürdig. Die Altstadt ist eine hübsche Puppenstube, auf dem Hauptplatz paradieren Blaskapellen in historischen Uniformen: Landsknechte aus dem späten Mittelalter, feldgraue Soldaten der k.u.k. Monarchie, exotische Gebirgsjäger, wie den Filmen von Luis Trenker entsprungen.

Fesche Jungs, gell?!

Fesch sehen sie aus, diese Jungs, gell?! Und unglaublich blöde. Am Pult steht ein katholischer Greis in Soutane, schwadroniert über Glauben und Pflichten, über Wehrdienst in bedrohlichen Zeiten. Alle schwitzen, es ist der erste warme Tag des Frühlings.

Das war Linz, früher, als es noch den Kaiser in Wien gab. Zum Glück ist das längst vorbei, nur manchmal zeigt sich noch die katholische Verstaubtheit. Warum auch nicht, nirgends ist der Mensch frei von seiner Vergangenheit. Niemand bleibt stehen, nicht mal die Touristen. Zu absurd ist die Zeremonie.

Jenseits vom Mummenschanz

Vom Hauptplatz sind es nur wenige Schritte zur Donau, wo der Wind die Hitze vertreibt. Hier lässt sich freier atmen, der Mummenschanz liegt hinter uns. Vor uns, auf der anderen Seite, thront der Glaspalast des Ars Electronica Centers.

Schon am Vorabend war er aufgefallen, als seine Fassade in den Farben der Ukraine erstrahlte, glitzernd reflektiert vom dunklen Fluss. Dieser Würfel markiert das andere Linz: Eine moderne, kreative Stadt, die viel mehr zu bieten hat als Historientheater.

Ars Electronica beschäftigt sich seit 1979 mit der Frage, wie Technik auf die Menschen, die Welt und ihre Zukunft wirkt. 1996 wurde das Museum der Zukunft eröffnet. 2009 wurde der zweigeschossige Bau aufgestockt und erweitert. 2019 wurden die Ausstellungen thematisch neu geordnet. Nun lautet die Leitidee: Compass – Navigating the Future.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen

Jedem Tierchen sein Pläsierchen, Linz bietet beides: monarchistische Parade und moderne Kunst. Aber nicht Kunst im Sinne von Galerie oder Museum, wo ambitionierte Schinken hängen, wie bunte Perlen auf einer Kette. Wo sich die Besucher artig und mit gebührendem Abstand halten, leise tuschelnd.

Das Ars Electronica Center liefert künstlerische Perspektiven zum Zeitalter der Wissenschaft. Keine Kunst über Wissenschaft, über wissenschaftliche Themen, sondern eine Symbiose des kreativen und des logischen Denkens. Logik und Emotion – Logos und Eros – Ansprache aller Sinne – kommen auf ihre Kosten, daraus entsteht wirklich Neues.

Die Ausstellungen und Exponate fordern auf: Zum Anfassen, zur Teilnahme, zur eigenen Kreation von etwas, was zwischen Science und The Arts liegt. Die Grenzen des Denkens und der Sinne scheinen sich aufzulösen, bekannte Horizonte verschwinden – in den unendlichen Weiten des Weltalls, im Nichts, in der bizarren Vielfalt unterm Mikroskop.

Ins Weltall und ins Innere von uns selbst

Künstlicher Intelligenz beim Denken zuschauen, selbstfahrende Autos trainieren, Roboter programmieren und vermenschlichen. Bisher unmögliche Strukturen dreidimensional drucken oder die eigene DNS mit der Genschere bearbeiten. Das sind Beispiele, wie das Center moderne Themen aufbereitet, anbietet und zum Mitmachen inspiriert.

Interaktive Stationen, Kunstwerke, Forschungsprojekte, Großprojektionen und Labore: Das Ars Electronica Center erlaubt vielfältige Ausflüge in die Künstliche Intelligenz und Neurowissenschaften, Robotik und autonome Mobilität, in Genetik und Biotechnologie, ins Universum und ins Innere von uns selbst. Da geht man nicht einfach durch, das braucht Zeit, ausreichend Zeit. Ein Tag ist zu wenig, bestimmt.

So gibt es beispielsweise die Ars Electronica Labs, in denen die Besucherinnen und Besucher selbst experimentieren können: mit 3D-Druck, mit künstlicher Intelligenz, mit Gensequenzen oder Licht. Ein spezieller Abschnitt befasst sich mit Musik und der Brücke, die sie zur künstlichen Intelligenz schlagen kann – und schlägt. Für Kinder und Jugendliche wurden Labore eingerichtet, wo Wissenschaft zum Spielfeld wird, wo analoge und digitale Entdeckungen lauern.

Vom Keller bis unters Dach

Dass draußen die Sonne lockt, ist schnell vergessen. Denn die Ideen und Exponate regen intensiv dazu an, das weitläufige Gebäude von den unteren Etagen bis unters Dach zu erkunden.

Den Abschluss bildet eine Präsentation über Zeit und Raum, über Galaxien und schwarze Löcher. Sie findet im Deep Space statt, dem Kinosaal für dreidimensionale Dokumentationen. Keine Sitzreihen. Alle hocken auf dem Boden, mit dunklen Brillen für die räumlichen Effekte, mittenmang kreischende Kinder.

Erfrischung in der Altstadt

So spannend kann Linz sein. Die wohlverdiente Erfrischung nach stundenlangen Entdeckungen im Ars Electronica Center gibt es hinterher – natürlich in der Altstadt. Der Pope und die Kasper sind verschwunden, Gott sei Dank!

Erst jetzt kann man ungestört bewundern, wie schön diese alte Stadt eigentlich ist. Und wie kühl der Drink im Café Traxlmayer.

Website des Ars Electronica Center in Linz

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Sonntag, 24. April 2022

Nomaden von Laetoli – im Urteil des Publikums

Der neue Roman von H.S. Eglund findet bei Leserinnen und Lesern unterschiedliche Resonanz. Das ist der Sinn von Literatur – denn jeder liest vor seinem geistigen Auge eine andere Geschichte. Die meisten Rezensenten finden das Buch lesenswert, auch wenn es manchmal die Erwartungen nicht erfüllt. Eigentlich ein schönes Kompliment, sonst wäre es ja langweilig.

Der Roman Nomaden von Laetoli hat in den Medien vielfaches Echo erzeugt. Neben Interviews und kurzen Rezensionen in der Presse haben sich vor allem Buchbloggerinnen und Buchblogger damit befasst. Zudem haben Verlag und Autor auf Lovelybooks eine Leserunde gestartet.

Fazit: Der Roman und seine Handlung lösen bei den Leserinnen und Lesern sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Besonders geschätzt wird er, wenn sich die Leser ohne Erwartungen auf die Reise Martin Andersons durch Ostafrika einlassen.

Schwierigkeiten haben manche Leserinnen oder Leser, die einen Abenteuerroman nach Vorbild von Karl May erwarten. Oder eine archäologische Detektivstory, die am Ende die Frage klärt, ob Aaron Miller die frühzeitlichen Menschen wirklich gesehen hat.

Nicht einfach, den Überblick zu behalten

Streckenweise sei es auch nicht einfach, den Überblick in der Handlung des Romans zu behalten, der in drei Teilen aus Tansania, Äthiopien und Sansibar erzählt. Bei der Durchsicht der Rezensionen fällt auf, dass Frauen offenbar mit weniger Vorurteilen an die Lektüre gehen, sich mehr durch die Handlung tragen lassen.

Männliche Leser sind eher vom Erkenntnisinteresse getrieben. Sie erwarten Antworten und logische Erzählmuster. So setzt sich also jeder Archetyp auf eigene Weise mit Martin Andersons Reise zu sich selbst auseinander, mit dem Osten Afrikas, der sich Logik und Erwartungen weitgehend entzieht.

Nichts für Schnellleser

Offenbar ist der Roman nichts für Schnellleser oder für kurzweilige Unterhaltung mit exotischem Flair. Durchweg alle Rezensionen zeugen von Belesenheit und hohem Interesse an der Literatur und am Thema, das ist eine schöne Erfahrung.

Sogar diejenigen Rezensenten, die Mühe hatten, den vielfältigen Strängen und Fakten des Romans zu folgen, haben sich offenbar durchgekämpft. Hier einige Auszüge:

Nicole Plath aus Ensdorf schrieb auf ihrem Blog:

Eine spannende Geschichte nimmt den Leser mit nach Afrika. Autor H.S. Eglund beschreibt Landschaften und Gegebenheiten so, dass man als Leser das Gefühl hat, selbst dabei gewesen zu sein. Es passieren so viele interessante Ereignisse, dass eine Rezension ohne Spoilern schwer möglich ist.

Im Buch begleitet man Martin Anderson auf seinen Nachforschungen, und, soviel kann ich ohne zu spoilern verraten, er wird interessante Theorien und Entdeckungen zu den ersten Menschen erfahren. Durch einen guten Schreibstil ist das Buch schnell zu Ende gelesen. Die Geschichte hat bei mir ein gutes Kopfkino ausgelöst und auch zum Nachdenken angeregt.

Meike Jashrin notierte auf Nicht ohne Buch:

H.S. Eglund hat seinen Roman in drei Teile geteilt, die die Wegpunkte Andersons in Afrika markieren: Laetoli, Aksum, Jambiani. Sein erster Weg führt ihn nach Laetoli, wo er auf Miller trifft. Die Geschichte entwickelt sich langsam und der Ton bleibt durchweg sehr ruhig, trotz der teils dramatischen Ereignisse.

Ein Spannungsbogen wird für mich in keinem der drei Teile aufgebaut. Daher habe ich für meine Verhältnisse auch sehr lange für die Lektüre des Buches gebraucht. Es fiel mir nicht schwer, regelmäßig Pausen zu machen. Dennoch: Die Geschichte hat ihren ganz eigenen Reiz und so musste ich trotzdem immer weiterlesen.

Die Stärke des Buches liegt meiner Meinung nach ganz klar bei den Landschafts- und Reisebeschreibungen, die mir Afrika buchstäblich vor Augen geführt haben. Auch die teils philosophischen Fragen und Diskussionen waren interessant. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mich allerdings Erklärungsansätze aus der aktuellen Forschung gewünscht. So wurden viele Fragen in den Raum geworfen, aber nur wenige mögliche Erklärungen geliefert.

„Warum wanderte der frühe Mensch aus Ostafrika aus? Wohin brach er auf?“ (S.34)

Ebenso hat mir das kritische Hinterfragen akademischer Lehransätze gefallen. Sind unsere Methoden wirklich optimal, um stets bestmögliche Ergebnisse zu erzielen?

„Wir sprechen von Wissenschaft, nicht von Religion.“ „Der Glaube an die Objektivität ist das Dogma der Wissenschaft, ist ihre verdammte Religion. […] Aus reiner Vernunft ist noch nie Vernünftiges entstanden, aus analytischem Verständnis noch nie die Verständigung zwischen Menschen.“ (S.71)

Insgesamt für mich ein Buch, auf das man sich einlassen muss, das kein spannendes Abenteuer im Sinne eines Abenteuerromans bietet, dafür aber mit spannenden und teils hochaktuellen Fragen punkten kann. Ein Buch, das Mitdenken erfordert und zumindest mich verleitet hat, den ein oder anderen Begriff oder Fakt zu googeln und genauer nachzulesen.

So war mir zum Beispiel der Zweig der Ethnobotanik bislang nie irgendwo begegnet. Wer also Lust auf eine Reise nach Afrika hat und der Philosophie nicht abgeneigt ist, der wird mit Nomaden von Laetoli sicher eine interessante Lektüre finden.

Stephanie Hermann aus Hamburg schätzte in ihrem Blog ein:

Das Buch klang sehr spannend und das war es dann anfangs auch, aber irgendwann habe ich irgendwie den Überblick verloren und es waren mir auch zu viele Details und die Handlung dann nicht mehr fesselnd genug. Es ist viel mehr eine Mischung aus Reisebeschreibung, philosophischen Diskussionen und wissenschaftlichen und kritischen Passagen.

Das Buch war somit ganz anders als erwartet und ich finde der Klappentext ist schon sehr irreführend. Trotzdem hat das Buch durchaus auch seine positiven Seiten, man muss nur einfach wissen was man nicht bekommt – nämlich einen spannenden Roman. Dieses Buch zwingt einen zum Nachdenken und man legt es immer wieder weg, wenn man sich aber darauf einlässt bekommt man Interessante Denkanstöße.

Weitere kritische Stimmen finden Sie in der Leserunde des Autors auf Lovelybooks.

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