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H. S. Eglund

Schriftsteller • Writer • Publizist

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© Songdog Verlag
Samstag, 21. März 2026

Knochenland – Wonach schürft, gräbt, forscht der Mensch?

Der historische Roman folgt den Spuren von Eugène Dubois, der vor 130 Jahren auf Java nach den Überresten von Frühmenschen suchte. Der von der Fachwelt verlacht wurde und verbittert starb.

Der Roman Knochenland von Gerald Koll hat mein Interesse geweckt, weil es um Anthropologie geht, um die Suche nach fossilen Überresten der frühen Menschen – auf Java, nicht in Ostafrika, wo mein Buch Nomaden von Laetoli angesiedelt ist.

Erzählt wird die Geschichte des Forschers Eugène Dubois. Begeistert von den Theorien Darwins und Haeckels machte sich der niederländische Arzt Ende des 19. Jahrhunderts auf, Spuren zu suchen.

Spuren, also Knochen

Spuren, das heißt: Knochen. Im Jahr 1891 wurden seine Arbeiter fündig. Aus einer Uferwand in Trinil (Java) förderten sie einen Backenzahn, Teile eines Schädels und einen gut erhaltenen Oberschenkel zutage, vermutlich eine Million Jahre alt. Seitdem waren die Funde umstritten – und sind es bis heute.

Doch Dubois kümmerte es nicht: Selbstbewusst prägte er den Begriff des Java-Menschen, des Anthropopithecus, später als Pithecanthropus erectus bezeichnet, als aufrecht gehender Affenmensch. Damit stieß er auf den Widerstand der akademischen Gelehrsamkeit. Universitäten und Fachgesellschaften straften ihn mit Verachtung.

Das Schicksal von Schliemann und Einstein

Dieses Schicksal teilte Dubois mit Heinrich Schliemann, dem Entdecker des antiken Troja, und mit Albert Einstein, dem Begründer der relativistischen Physik. Doch anders als bei diesen Berühmtheiten blieb Dubois die Anerkennung versagt.

Er starb kurz nach dem Einmarsch der Nazis in Verbitterung, obwohl er die meisten seiner Widersacher lange überlebte. Vor allem der Berliner Arzt Rudolf Virchow hatte ihm das Leben zur Hölle gemacht, verhöhnte Dubois als Amateur und Scharlatan.

Virchow war ein angesehener Mann: Geheimrat von Kaisers Gnaden, Rektor der Berliner Universität und Abgeordneter des Reichstags. Sein Wort hatte Gewicht – und ruinierte Dubois.

Sorgfältig recherchiert bis ins Detail

Aus diesem Konflikt spinnt Gerald Koll einen historischen Roman, der sorgfältig recherchiert ist und viele überraschende Details präsentiert. Sein Erzählstil ist anspruchsvoll, einfache Lektüre ist Knochenland gewiss nicht.

Der Roman setzt einige Kenntnisse voraus. Am besten, man hat immer Wikipedia bei der Hand, um nachzuschlagen. In mehr oder weniger kurzen Passagen springt die Handlung durch Zeit und Raum, gekennzeichnet durch verschiedene Typen im Buch. Es fällt nicht leicht, den Überblick zu behalten, wenn Akteure, Orte und Zeiten permanent springen, wie Dubois auf seiner Reise von Insel zu Insel.

Viele Einzelheiten und Bilder aus Java, aus der Familie von Dubois, aus Berlin und dem Umfeld von Virchow oder aus dem Kosmos und den Kindertagen der Erde kreuzen sich, treten scheinbar unvermittelt auf. Es dauert eine Weile, bis sich Kreise schließen und das historische Panorama sichtbar wird.

Ein mutiger Erzähler

Koll ist ein mutiger Erzähler, selbstbewusst wie sein Protagonist. Szenen, Orte und Zeiten ändern sich sprunghaft. In diesem Mosaik, in diesem Splitterwerk, brilliert er mit Wissen, entwickelt erstaunliche Handlungsstränge und geschliffene Dialoge, die den Konflikt (und andere Reibereien) psychologisch auf den Punkt bringen.

Allerdings verhindert dieser sprunghafte Stil etwas sehr wichtiges: Nähe zu den handelnden Figuren. Menschliche Wärme kommt nicht recht auf, denn Dubois, Virchow oder die Frauen im Roman bleiben festgelegt auf die Interpretation, die uns von ihnen überliefert wurde.

Ein klitzekleines Manko

Tieferes Verständnis, warum die Personen auf diese Weise handeln – und nicht anders – wird kaum angeregt. Doch das ist nur ein kleines Manko. Ungeachtet dessen ist es ein großartiges Buch, das von Leserinnen und Lesern einiges abverlangt.

Und sie belohnt. Denn es beschränkt sich nicht darauf, zu historisieren, sondern spannt einen zeitlosen Bogen vom Beginn des Universums und der Erde bis zum modernen Menschen, zu seinem Wissen von der Welt und seiner Eitelkeit.

Philosophie als Roman getarnt

Selten habe ich so ein kluges und philosophisches Buch gelesen, das sich als belletristisches Werk tarnt. Der Autor hält sein Vorhaben bis zum Ende durch, auch wenn das finale Gespräch zwischen Dubois und Virchow ein bisschen vom Thema wegführt. Der Leserschaft wird nichts geschenkt, nichts vorenthalten und manche Überraschung präsentiert.

Was als Reise ins Ungewisse beginnt, löst sich zum Glück nicht in langweiligen Gewissheiten auf. Fantasievoll und akribisch bis ins kleinste Detail werden die Leser durchaus beansprucht, haben sie teil an Kosmos und Evolution, bekommen neue Einblicke – Einsichten – auf Weltraum, Erde und Zeit; auf Liebe, Leben und Tod; auf Da-Sein, Mensch-Sein und Menschheit. Das ist sehr bereichernd.

Bestellung nur in der Schweiz

Leider wurden die Hürden für den Erwerb des Kleinods hoch geschraubt. Der Roman erschien im Songdog Verlag in Merenschwand. Das liegt im Kanton Aargau, halbe Strecke zwischen Zürich und Luzern.

Das Buch ist bei üblichen Auslieferungsdiensten in Deutschland nicht gelistet. Das bedeutet, dass man es direkt beim Verlag bestellen muss. Das ist umständlich, das macht nicht Jeder.

Meine Buchhändlerin liebt sportliche Herausforderungen, deshalb brachte sie ausreichend Geduld auf, bei Songdog zu ordern. Ich musste eine Woche warten, bis ich das Buch abholen durfte. Schlappe 260 Seiten wurden mit 29 Euro bepreist, ziemlich happig, selbst nach Schweizer Maßstäben.

Ein Büchlein, gemacht für die Ewigkeit

Aber: Das Büchlein ist handwerklich ordentlich gemacht, mit Schutzumschlag, robustem Einband und rotem Lesebändchen. Haptisch liegt es gut in der Hand, das gewählte Papier, die Typen und die Gestaltung sind gelungen.

Für diese Qualität lohnt es sich, ein paar Tage zu warten und den stolzen Preis zu löhnen. Ein Exemplar Knochenland für die Ewigkeit, wie sein Inhalt.

Hier geht es zum Roman im Songdog Verlag

Mehr zum Roman Nomaden von Laetoli

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Freitag, 19. Dezember 2025

Therapie für Wikinger – Knallbonbon vorm Jahresende

Vor der Premiere im Filmpalast Delphi wurde das Publikum gewarnt: Regisseur Anders Jensen und Mime Mads Mikkelsen stellten eine Reise in Aussicht – in die Abgründe von Psyche, Seele und Existenz. Es folgte ein atemberaubendes Meisterwerk, das von Schwarz bis Schrillbunt alle Farben des Lebens spiegelt.

Kinozar Knut Elstermann eröffnete die Berliner Premiere, als er Regisseur und Schauspieler auf die Bühne bat. Therapie für Wikinger wird von Splendid Film (Köln) und Neue Visionen (Berlin) gemeinsam vertrieben.

Entsprechend groß war der Andrang, das Delphi am Bahnhof Zoo nahezu voll besetzt. „Mich interessieren Brüder, ungleiche Brüder“, erläuterte Anders Jensen im Gespräch. „Sie lieben sich und lieben sich nicht, wie es meistens in Familien ist.“

Zwei ungleiche Brüder

Schon mehrere Filme hat er mit dem Duo Mads Mikkelsen und Nikolaj Lie Kaas gedreht, immer wieder war von ungleichen Brüdern die Rede. Ohne dem neuesten Werk vorzugreifen: Auch dieses Mal geht es um zwei sehr verschiedene Wesen, die dennoch wie Kletten aneinander hängen.

Jensens Botschaft lautet: Den Bruder suchst Du Dir nicht aus, auch nicht die Schwester, erst recht nicht Mutter und Vater. Vordergründig geht es um Brüder, doch eigentlich geht es ums Wesentliche: Was macht den Menschen aus, sein Wesen, wie er sich selbst versteht und erkennt?

Kaas spielt den cholerischen, starken, älteren Bruder Anker, der auf kriminellen Pfaden wandelt. Mikkelsen gibt den psychisch labilen Manfred, der den Wikinger in sich nie leben durfte. „Ihr Verhältnis scheint absurd“, erläutert er auf der Bühne. „Absurd wie echtes Leben.“

Ensemble in Höchstform

Daneben gibt es eine Schwester, die irgendwie sehr stark ist. Der Vater erscheint retrospektiv als Säufer und Sadist. Die Mutter kommt nur vor, wenn von „Mamas Haus“ die Rede ist.

Außerdem von der Partie ist ein seltsames Pärchen, dass jetzt in Mamas Haus lebt, und eine Horde verkannter Genies, die sich abwechselnd für Georg Harrison, Paul McCartney, Ringo Starr, ABBA oder Heinrich Himmler hält.

Es geht um richtig viel Geld

Nicht zu vergessen der freundlichen Flemming, der besonderen Anteil an der Story nimmt. Dieses Ensemble – selbst die kleinste Nebenrolle ist großartig besetzt! – läuft zur Höchstform auf.

Es entführt uns in satte, dunkle Wälder, in tiefgründige Wortwechsel (die nicht immer Dialoge sind) und atemberaubende Action, die einen aus dem Sitz reißt. Letzter Spoiler: Es geht um Geld, richtig viel Geld.

Wie irre war das denn?

Als der Abspann kommt, steht die Frage im Raum: Wie irre war das denn? Und wie großartig! Diese Geschichte zweier Brüder greift tief ins Auditorium hinein, davon bleibt niemand unberührt oder verschont.

Tragik und Komödie verschmelzen. Was lachend startet, bleibt in der Kehle stecken. Humor in der Farbe von Anthrazit. Es kracht, kämpft und blutet, seelisch und physisch.

Langweilig ist es keine Sekunde. Im Gegenteil: Therapie für Wikinger ist das überraschende Knallbonbon vor Silvester – einer der besten Streifen des scheidenden Jahres.

Überblick zum Film bei Neue Visionen

Website bei Splendid Film

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